Dienst am Bürger
Dienst am Bürger

Sozial zusammen stehen

Von Jugendlichen kann man lernen - das Foto zeigt ein "Respekt"-Plakat in einem Kaltenkirchener Jugendhaus.

 

Wir alle leben im Generationenkreis (siehe auch die so bezeichnete Rubrik): 

 

Von der Geburt bis zu unserem Ableben werden wir getragen von unseren Mitmenschen. Während unserer aktiven Schaffenszeit helfen auch wir selbst mit, dass es möglichst vielen Mitmenschen gut geht. Nur dann geht die gesamtgesellschaftliche Rechnung auf. In Afrika gibt es ein Sprichwort: Für die Erziehung von Kindern braucht man ein ganzes Dorf. Hier beginnt der Generationenkreis; bei der Erziehung unserer Kleinsten. Und er trägt weiter. Doch er ist in vielen Gemeinden gestört. Durch seit einigen Jahrzehnten veränderte Lebensmodelle kamen phasenweise kaum noch Kinder nach, und die Großfamilie, in der mehrere Generationen zum gegenseitigen Wohl zusammen leben, findet man heute nur noch ganz selten.

 

Die Nachkriegszeit - nach 1945 - ist dadurch gekennzeichnet, dass der Generationenkreis bei uns und in weiten Teilen Europas durchbrochen wurde. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, den Generationenkreis in moderner Form wieder zu beleben! 

 

So habe ich 2006 eine Idee des Bundesfamilienministeriums und der Diakonie Altholstein für Kaltenkirchen aufgenommen und das kreisweit erste Mehrgenerationenhaus angeregt, welches vom Elternverein "Tausendfüßler" erfolgreich 2007 gegründet werden konnte. Ebenfalls hat die von mir geleitete Verwaltung die Gründung des Kaltenkirchener lokalen Bündnisses für Familie (2005-2007) vorbereitet. Weiter habe ich zusammen mit der Dachgenossenschaft Nord, einem Erschließungsträger für ein Baugebiet ("Stubbenwiese") und dem lokalen Bündnis für Familie die Voraussetzungen dafür erarbeitet, dass innovatives Wohnen mehrerer Generationen hätte möglich werden können (Projekt "Stubbenpark"); leider fehlte es trotz Werbung für das Projekt an genügend Interessierten, die betreffende Fläche wurde nachfolgend für Einzelhausbebauungen zur Verfügung gestellt. 2010 hat die von mir geführte Verwaltung zusammen mit dem Pflegestützpunkt Norderstedt das Netzwerkprojekt "Nachbarn für Nachbarn" auf den Weg gebracht (usw. ...). 

 

Immer dann, wenn Menschen, zum Beispiel durch Kriege, am tiefsten Tiefpunkt angekommen sind und sie danach die Phase des sich gegegenseitigen Bekämpfens, der Verteilungskämpfe um existentielle Waren wie Wasser, Brot und einen trockenen Platz zum Schlafen überwunden haben, bilden sie eine neue Gemeinschaft. In dieser Phase stehen sie am engsten zusammen. Es ist die große Herausforderung für jede Menschengemeinschaft, dieses Zusammenstehen nachhaltig zu gestalten, das heißt auch für die Zeit danach aufrecht zu erhalten, für eine Zeit, in welcher sich die nachfolgenden Generationen nicht mehr an den Tiefpunkt erinnern können wie diejenigen, welche die neue Gemeinschaft einst bildeten. Es ist weiter die große Herausforderung, dieses Zusammenstehen auch mit Menschen aus anderen Ländern einzuüben und sich hierdurch mit ihnen solidarisch zu erklären und so unter Wahrung des bisherigen Zusammenhalts diesen zugleich zu verstärken.

 

Unseren Städten und Gemeinden kommt zunehmend die Schlüsselaufgabe zu, in Zeiten von weltweit andauernden und neu ausbrechenden Kriegen immer neue Flüchtlinge aufzunehmen und diese in unsere Gemeinschaften einzugliedern. Darin liegen zu bewältigende Schwierigkeiten und Chancen zugleich. 

 

Um damit zukunftsgerichtet umzugehen, benötigen wir eine flächendeckende Willkommenskultur und eine gut durchdachte Willkommensstruktur.

 

Es geht also zum einen darum, sich mit neuen Menschen aus anderen Ländern neugierig, wissbegierig und empfindsam mental zu vereinen, um die Aspekte der Bereicherung zu erkennen, welche den Gemeinschaften aus den Neuzugängen erwachsen. Es geht zum anderen darum, Strukturen, Strategien zu entwickeln, welche uns befähigen, uns nachhaltig freundlich mit den Neuankömmlingen zusammen zu setzen. Ziel muss es sein, den Neuankömmlingen gleiche Lebensperspektiven wie unseren bisherigen Einheimischen zu eröffnen und umgekehrt unseren bisherigen Einwohnerinnen und Einwohner gleichzeitig den Lebensrücken zu stärken; denn Vermeidung sozialen Sprengstoffes funktioniert schließlich nur, wenn nicht immer neue Verteilungskämpfe geschürt werden, sondern wenn die Fähigkeiten unserer Einheimischen mit den Fähigkeiten unserer Neuankömmlinge schnellstmöglichst zusammengelegt und so auf beiden Seiten Perspektiven gestaltet werden. Jede Seite muss erkennen können, welche Wertschöpfung die jeweils andere Seite für den eigenen Weg bedeutet. Dies anzuleiten und zu gestalten ist vornehmste Aufgabe von Politik! Nur auf solchem Boden kann eine neue, fusionierte Sozialgemeinschaft entstehen, welche mit neuem WIR-Gefühl nach vorne blickt, unsere Wirtschaft stärkt und damit solide Säulen für die Zukunft unserer Städte und Gemeinden bildet!

 

Eine nachhaltige Willkommensstruktur kann nur in starken, in sich gefestigten Gemeinden entwickelt werden. Für die folgenden drei Schritte muss auch Geld in die Hand genommen werden: 

 

1. Kommunen mehr Spielräume geben

2. Bildung und Ausbildung, Jugend- und präventive Gemeindesozialarbeit intensivieren

3. Initiativen für Demokratie stärken

 

Soziale Gemeinschaften wachsen nicht von allein. Das funktioniert nur, wenn viele an einem friedlichen Gemeinwesen arbeitende Akteure vernetzt zusammenwirken (siehe auch die Rubrik "Vernetzt handeln")!

 

Lasst uns mehr demokratische Führung wagen, die dies flächendeckend ermöglicht! Ein neuer Aufbruch zu einer modernen, bunten, hilfsbereiten Gesellschaft, in der der jeweils Andere nicht wegen äußerlicher Merkmale geschasst wird, sondern in der er wegen seiner Fähigkeiten oder einfach wegen seiner Mitmenschlichkeit und Zivilcourage geschätzt wird!

 

Dabei kommt unseren Vereinen, insbesondere unseren Sportvereinen, eine tragende Rolle zu.

Es ist sicher nicht übertrieben, wenn man von Sportvereinen als unseren bedeutendsten sozialen Einrichtungen spricht (ohne dass andere Institutionen dadurch abgewertet werden)! Hier lernt man schon früh, sich gegen Andere durchzusetzen, gleichzeitig für den Anderen zu spielen und eine Gemeinschaftsleistung zu vollbringen. Hier lernt der Einzelne, dass nur sein engagiertes und teambezogenes Wirken den Gemeinschaftserfolg herbeiführt! Gerade im Sportverein kann Toleranz und Neugier für sogenannte Fremde eingeübt, das heißt erlebt und gelebt werden. Wer freut sich nicht darüber, wenn der neue Schwarzafrikaner im Fußballclub des eigenen Dorfes nun viele Tore schießt und der Verein wieder im oberen Tabellendrittel steht?

 

Überhaupt nimmt sich derjenige, der alles Neue, alles Fremde von vornherein ablehnt, soviel selbst weg, das ihm andernfalls guttun würde, wenn er sich einfach einmal darauf einlassen würde. Wer freut sich denn nicht über das leckere afghanische, türkische oder indische Essen? Wer freut sich nicht über die Bauchtanzaufführung im Bürgerhaus? Wer lacht nicht mal gern, wenn Türken sich selbst und andere satirisch "auf die Schippe nehmen"?

 

Es geht um Vielfalt - Beispiel Seidenstraße: Nur durch die Vermischung der Kulturen, ihrer Waren und ihrer Sprachen über mehrere tausend Jahre entstanden Hochkulturen, in denen es den Menschen gut ging. Leider gab es auch immer wieder Störenfriede (das Wort hieße besser: Friedensstörer), welche derartiges reichhaltiges und vielseitiges Leben immer wieder verhindern wollten. Hier dürfen und müssen Demokraten wachsam bleiben.  

 

Zu Punkt 2. habe ich in meiner Bürgermeisterzeit selbst einiges beigesteuert; eine umfassende Schulentwicklungsplanung im dialogischen Verfahren (als Bürgermeister und Schulverbandsvorsteher), ein Ausbildungs- und Arbeitsplatzbündnis mit Netzwerkpartnern von Kaltenkirchen bis Norderstedt, Neumünster und Lübeck, sowie zur Kinder- und Jugendsozialarbeit siehe nachstehend ein Bericht aus meinem Neuwahlkampf für Kaltenkirchen im Sommer/Herbst 2011:

 

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Ein neuer sozialer Treffpunkt vor dem Hochhaus "Großer Karl":

 

Auch in Kaltenkirchen gibt es Menschen, die es schwerer haben als andere. Viele von ih-

nen, davon zahlreiche Kinder und Jugendliche, leben im Flottkampgebiet. Dort ist der "Große Karl" am Flottmoorring das mit Abstand größte Hochhaus. So war es für mich naheliegend, dort ein "Leuchtturmprojekt" mit dem Ziel einer neuen Begegnungsstätte zu starten. Nachdem ich zu Beginn selbst mehrere persönliche Gespräche mit den Kindern und Jugendlichen sowie ihren Eltern vor Ort geführt hatte, entstand im besten Zusammenwirken vieler Beteiligter vor dem Hochhaus, wo zuvor nur eine Wiese war, eine Multifunktionssportarena mit zwei unterschiedlich großen Spielfeldern, für die Großen und für die Kleineren, ein Wasserspielplatz für die ganz Kleinen und Ausruhbereichen mit robusten Hängematten und rustikalen Sitzbänken aus dicken Baumstämmen. Allen Beteiligten gebührt für das über eine längere Zeit erforderliche und nachhaltige Engagement ein großer Dank.

 

Die Jugendlichen, die früher äußerten, sie wüssten nicht, wo sie hin sollten und "hier sei ja nichts", sind heute engagiert und finden sich beim Sport, beim Spiel und der reinen Begegnung zusammen. Häufig treffen sich in "Soccer City", so heißt das neue Wohnumfeld, mehrere Familien und picknicken oder unterhalten sich einfach nur. Die neue Begegnungsstätte ist quasi zu ihrem Vorgarten geworden. Da die Jugendlichen bei der Planung und Gestaltung ihr neuen Areals mit beteiligt waren, haben sie eine eigene soziale Identität gefunden. Ganz beiläufig entstand so auch ein neues „WIR-Gefühl“ unter den Menschen vom "Großen Karl" und aus den benachbarten Wohnbereichen. In Verbindung mit ihren unterschiedlichen Herkünften aus verschiedenen Ländern findet hier auch ein guter interkultureller Austausch von Mensch zu Mensch statt.

 

So entstand ein neuer sozialer Ort mit Freizeitwert im unmittelbaren Umfeld eines bis dahin perspektivarmen großen Wohnquartiers. 

 

Es gibt weiteren Handlungsbedarf:

 

Dieses Beispiel zeigt, dass durch Ideen und Initiative etwas Schönes und Großes werden kann.

Es zeigt, dass man Perspektiven aufzeigen und aufbauen kann. Es zeigt, dass man vor allem auch junge Menschen dafür gewinnen kann, etwas gemeinsam zu planen und zu gestalten.

Solche Erfolge zeigen die Richtung, Weiteres für die Menschen in unserer Stadt zu bewirken. Denn machen wir uns nichts vor: Es gibt tagtäglich so unendlich viel zu tun, um vorhandene soziale Probleme zu lösen.

 

Was wäre die Stadt ohne die Einrichtungen mit ihren hauptamtlichen und zahlreichen ehrenamtlichen Helfern, die sich zum Beispiel um Drogenprävention, um Verbraucher-

schutz, um Opferschutz, um überschuldete Familien, um den Schutz von Frauen, um ältere

Menschen, um Vermeidung von Obdachlosigkeit oder gefährdete oder gestrandete Jugend-

liche kümmern? Es ist richtig und notwendig, dass diese unermüdlich helfenden Hände alljährlich von der Stadt finanziell unterstützt werden, um ihre wichtige Arbeit für mehr soziale Stabilität in unserer Gemeinschaft sicher zu stellen. Dazu gehören ganz vorneweg unsere Vereine als unsere größten sozialen Einrichtungen. Immer mal wieder wird versucht, die Mittel für unsere Verbraucherzentralen kürzen. Hier muss gewarnt werden: Auch

in Zeiten knapper Kassen schafft man die Probleme von morgen, wenn man heute bei den

sozialen Einrichtungen spart.

 

Weitere soziale Projekte und Vorstellungen:

 

Ich habe mich als Bürgermeister immer sozial engagiert. Ich nenne hier unter anderem meine Veranstaltungen "Armut" sowie "Wohnen" im November 2007, die Durchsetzung eines Streetworkers als präventiver Stadtsozialarbeiter 2009 oder meine Gemeinschaftsinitiative "Nachbarn für Nachbarn" zusammen mit dem Pflegestützpunkt 2010.

 

Bereits im Jahre 2007 initiierte ich die zweiwöchige Veranstaltung "Kaltenkirchener Kindertage", wodurch unsere Kinder, in Anlehnung an den Weltkindertag, über einen längeren Zeitraum in den Mittelpunkt gestellt und so auf die Bedürfnisse von Kindern aufmerksam gemacht wurde. Es beteiligten sich die meisten Vereine der Stadt. Am Ende konnten nicht nur die Kinder sich uns Erwachsenen mit ihren Bedürfnissen und Potentialen näher bringen, sondern auch etliche Vereine erhielten durch die zweiwöchige Werbung etliche Neuitglieder! Das Motto lautete: "Für kleine, für große, für alle Kinder...".

Ich möchte weiterhin die intensive Vorbereitung eines Bündnisses für Familie im Jahr 2006, meinen Impuls aus 2006 für das kreisweit erste Mehrgenerationenhaus oder das von mir in 2006 gegründete regionale Bündnis für Ausbildung und Arbeit Kaltenkirchen und Umgebung hervorheben; hierdurch konnten innerhalb von zwei Jahren über 100 Lehrlinge in Ausbildung gebracht werden!

 

Das Ausbildungs- und Arbeitsplatzbündnis bringt bis heute Wirtschaft und Schulen sowie

andere Ausbildungs- und Bildungsträger zusammen, um den Menschen mehr Ausbildungs-

möglichkeiten und mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu geben. Es bestehen in der Region und vor allem in Kaltenkirchen mit seinen zahlreichen produzierenden Betrieben gute Möglichkeiten, die Potenziale der jungen Menschen zu nutzen und für die Unternehmen die dringend benötigten Fachkräfte direkt vor Ort zu gewinnen. Das eröffnet für junge Leute neue Perspektiven und ermöglicht ihnen, in sozialer Sicherheit eine Familie zu gründen. 

 

Die Verwaltung hat unter meiner Leitung dazu beigetragen, dass für unsere Kinder, die noch keine drei Jahre alt sind, die Betreuungssituation entscheidend verbessert wurde. Kaltenkirchen wurde bis zu meinem Amtsende im Kreis Segeberg Spitzenreiter mit einer damaligen Betreuungsquote von insgesamt rund 30 Prozent einschließlich der Betreuung durch Tagesmütter.

 

Künftig wird es darauf ankommen, die Betreuungssituation noch weiter zu verbessern und auch bei den Horten neue Wege zu gehen. So hat die Verwaltung unter meiner Leitung

zuletzt angeregt, die Hortbetreuung an den Grundschulen mit einer Entwicklung zu Of-

fenen Ganztagsgrundschulen zu verbinden. Alle Beteiligten, einschließlich Kreis und Land, müssen bereit sein, diesen Weg mitzugehen. 

 

Meine Idee von einer Bürgerstiftung für die Stadt Kaltenkirchen und das Umland ist wei-

terhin aktuell. Eine solche unabhängige finanzielle Säule würde alle ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürger unterstützen und mithelfen, unsere Stadt sozial weiter zu entwickeln. Ich bin überzeugt, dass eine Bürgerstiftung irgendwann in Kaltenkirchen wachsen wird. Spätestens, wenn die Zinsen wieder steigen, darf es gerne weitergehen."

Hier finden Sie mich

Bürgermeister a. D.

Stefan Sünwoldt

Kamper Weg 29a

24568 Kaltenkirchen

Kontakt

Rufen Sie mich doch

einfach an unter

04191/9529935 bzw. 

0176-92167527 oder 

schreiben mir eine

E-Mail:

stefan.suenwoldt@

gmail.com

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